Review: Lenovo Yoga Tablet 8

Thaddeus Herrmann
T. Herrmann|10.30.13

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Review: Lenovo Yoga Tablet 8

Wir haben jahrelang darauf gewartet, dass wir eine Review eines neuen Gerätes mit einem Bild der Rückseite beginnen können. Beim neuen Yoga Tablet 8 von Lenovo lässt sich das erstmals wirklich rechfertigen. Denn auch wenn das Tablet von vorne ausgesprochen hübsch anzusehen ist: Seine Alleinstellungsmerkmale sieht man von hinten besser. Es geht um den integrierten Standfuß und um die Auswölbung, die es erlaubt, das Tablet ähnlich wie ein Buch anzufassen, hallo Multimode Tablet!

Lenovo ist nicht der erste Hersteller, der mit dieser Art von Design experimentiert, durchgesetzt hat es sich bislang allerdings nicht, im Gegenteil. Und auch der integrierte Standfuß ist bei Microsofts Surface-Tablets Verkaufsargument. Lenovo jedoch kennt sich aus mit Scharnieren, Widerständen, Winkeln und Blickwinkeln. Und der Fuß der neuen Yoga-Tablets - es gibt ein 8"- und ein 10"-Modell - funktioniert anders, individueller. Und übernimmt die universelle Einsetzbarkeit der anderen Yoga-Geräte erstmals für die Android-Welt. Vor wenigen Stunden hat Lenovo die beiden Neulinge in Los Angeles und Mailand offiziell vorgestellt. Beide Tablets der neuen Serie sind ab sofort bei uns zu haben; folgt uns hinter den Break für die Review des 8"-Modells.

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Die Yoga-Tablets sind für aufmerksame Leserinnen und Leser keine Überraschung. Lenovo selbst hatte auf Sina Weibo bereits vor einigen Wochen Hinweise verteilt, aus unerfindlichen Gründen waren die beiden Geräte sogar schon in Online-Shops gelistet. Viele der im Zuge dessen kommunizierten technischen Spezifikationen bewahrheiten sich jetzt. Generell gibt es zwei Versionen. Eine mit 8"-Display, eine zweite mit 10,1"-Screen. Beide Größen gibt es als WiFi-Variante oder aber mit integriertem UMTS für Datenverkehr. Das 8"-Gerät gibt es außerdem in einer 3G-Version, mit der auch regulär telefoniert werden kann, aber offenbar nicht bei uns.

Alle Yoga-Tablets laufen mit Android 4.2.2 (inkl. Lenovos Oberflächenbehandlung) und sind ausgestattet mit 1 GB RAM, 16 GB internem Speicher (erweiterbar), Bluetooth 4.0, WiFi und GPS. Sowohl das 8"- als auch das 10"-Display lösen mit 1.280 x 800 Pixeln auf. Die hintere Kamera bietet 5 Megapixel mit Autofokus, die vordere 1,6 Megapixel. Letztere macht erstaunlicherweise die deutlich besseren Bilder.

Die Unterschiede liegen natürlich einerseits beim Gewicht. Die 8"-Geräte wiegen 400 Gramm (die 3G-Version bringt 404 Gramm statt 401 Gramm auf die Waage), die 10"-Tablets wiegen 605 bzw. 610 Gramm. Ausschlaggebend dafür ist vor allem der Akku. Wer sich für 8" entscheidet, bekommt eine 6.000 mAh starke Batterie, 10"-Fans können 9.000 mAh Power verbrauchen. Auch bei den Prozessoren gibt es Unterschiede. Die WiFi-Modelle laufen - unabhängig von der Größe des Tablets - mit dem Quadcore-Chip MT8125 von Mediatek, die 3G-Versionen mit dem MT8389. Die Taktgeschwindigkeit liegt immer bei 1,2 GHz.


Unterhalb des Displays (oder seitlich oder oberhalb, das hängt ganz vom Einsatz-Modus ab) befinden sich zwei Lautsprecher. Lenovo arbeitet hier mit Dolby zusammen und setzt auf deren Digital Plus DS1 Technik, um dem Sound einen extra Kick Lautheit und Präsenz zu verpassen. In der entsprechenden App stehen diverse Presets zur Verfügung (Musik, Film, Sprache, Spiele), außerdem lassen sich eigene Voreinstellungen definieren. Auf der einen Seite ist in der Auswölbung außerdem der Ein-/Ausschalter untergebracht, oberhalb (hier im Bild sichtbar) sitzt der USB-Anschluss. Über den lässt sich das Tablet nicht nur aufladen und mit dem Rechner verbinden, sondern erlaubt auch das Laden anderer Geräte wie Smartphones und Co. Auf der anderen Seite befindet sich der Kopfhörerausgang sowie die Laut-/Leisewippe und das Mikrofon. microSD- und microSIM werden auf der Rückseite eingelegt, die Slots befinden sich unterhalb des Standfußes. Speicherkarten mit einer maximalen Kapazität von 64 GB werden unterstützt.



Mit den Laptop/Tablet-Hybriden, den ersten Yogas also, hat Lenovo die unterschiedlichen Aufstellmöglichkeiten des Geräte amüsant, aber einprägsam benamt. Stichwort "Zelt-Modus". Auch bei den Yoga-Tablets bietet der Hersteller mit drei Einsatzmöglichkeiten Orientierung: Kippmodus, Handmodus und Standmodus. Der erste Modus ist bereits aus der iPad-Welt gelernt, wenn man ein Smart Cover hat. Leicht angeschrägt liegt das Tablet vor einem. Ideal zum Schreiben. Entweder auf dem Display selbst, oder aber mit Hilfe einer Bluetooth-Tastatur.


Der Handmodus ist für den Hochkant-Einsatz vorgesehen und eignet sich so besonders für das Lesen von Magazinen und Büchern. Bei den 400 Gramm des 8"-Tablets lässt es sich so auch einhändig eine Weile im Bett aushalten. Ob das bei den 600 Gramm des größeren Modells auch noch so gut funktioniert wagen wir hingegen zu bezweifeln. Hilfreich dabei ist, dass der Schwerpunkt des Tablets im "Griff" liegt. Die hier verbauten Akkus sorgen für die nötige Fokussierung.


Beim Standmodus spielen die neuen Yoga-Tablets dann ihre eigentliche Stärke aus. Denn der Neigungswinkel ist frei einstellbar, ganz nach den Vorlieben des Nutzers und auch entsprechend der Lichtverhältnisse. Klappt man den Fuß aus, liegt der Winkel bei ungefähr 80°, genau richtig also für einen Film, wenn das Tablet auf dem Nachttisch liegt. Für den Einsatz am Tisch lässt sich das Gerät auf ca. 30° neigen. Dabei steht es immer noch komplett stabil und sicher, erst danach verschiebt sich der Schwerpunkt und es fällt um.






Kippmodus, Handmodus, Standmodus. Witzig, witzig, mag der geneigte (sic!) Leser denken, auf diese Möglichkeiten wäre ich auch selbst gekommen, die braucht Lenovo nicht für mich zu benamen. Stimmt. Je nach Modus passt das Tablet jetzt die Helligkeit und auch die Farbtemperatur des Displays automatisch an. Relativ dunkel und kühl für den Handmodus, genau richtig für E-Books. Mehr Kontrast im Kippmodus und relativ neutral im Standmodus. Wem diese Voreinstellungen nicht taugen, kann händisch hin- und herwechseln. Wir konnten uns jedoch über diesen Eingriff nicht beschweren, im Gegenteil. Je nach Modus wird nicht nur die Farbtemperatur angepasst, sondern auch eine App-Auswahl angezeigt, die sich besonders für den jeweiligen Einsatz anbietet.

Das Display selbst gehört hingegen mit Sicherheit nicht zum besten, was es zur Zeit auf dem Markt gibt. Mit der Auflösung von 1.280 x 800 Pixeln gibt es auf der Größe von 8" zwar keine Beschwerden. Wirklich gestochen scharf und brillant ist die Darstellung aber nicht. Außerdem wird der Screen durch Android immer wieder ausgebremst. Die automatische Einstellung der Helligkeit funktioniert beim Yoga Tablet 8 ähnlich unzuverlässig und unbefriedigend wie bei Samsung, HTC und Co., ein endloses heller und dunkler dimmen lässt einen bald den Spaß verlieren. Also ausschalten. Außerdem hat das Display einen deutlich sichtbaren Gelbstich.


Auch Lenovos Android-Skin lohnt nicht für eine ausführliche Berichterstattung. Andere Icons gehören ja schon zum fragwürdigen guten Ton, wirkliche Zusatzfeatures sucht man hier jedoch vergeblich. Zumindest verbergen sich hinter neuen Icons zum Teil "echte" Google-Apps. Maps hat Lenovo jedoch gegen "Navigate 6" getauscht: Hier warten tolle InApp-Käufe. Entschuldigt die Ironie. Unser Eindruck ist außerdem, dass die Skin auf dem Yoga Tablet 8 Android immer wieder professionell ausbremst. Der Prozessor dürfte kräftig genug sein, gerade bei 1 GB RAM. Auch wenn Ein eher nebenbei ausgeführter Benchmark-Test mit der AnTuTu-App dem Yoga Tablet 8 lediglich 13.210 Punkte bescheinigt. Das Samsung Galaxy Note 3 bringt in ziemlich allen Einzelkategorien locker die dreifache Punktzahl. Prozessorhungrige Spiele sind daher wohl nicht das primäre Einsatzgebiet.

Die Lautsprecher erfüllen ihren Job hingegen mit ausreichendem Effet. Ähnlich wie HTC und Beats funtkioniert auch die Partnerschaft zwischen Lenovo und Dolby. Alles wirkt bei Zuschaltung der App etwas räumlicher und kräftiger. Ob des geringen Raums, der den Lautsprechern zur Verfügung steht, ist ihr Wirkungsgrad aber begrenzt.


Denn das Yoga Tablet 8 ist dünn. sehr dünn. 3mm an der schmalsten Stelle, 21mm an der unteren Seite. Ausgesprochen gut gefällt uns auch die Verarbeitung. Der Unibody aus Aluminium wirkt sehr stabil, die Rückseite aus Kunststoff mit ihrer geriffelten Oberfläche fühlt sich toll an. Um den Fuß aus dem Gehäuse herauszuholen, braucht es einigermaßen Fingernagellänge und auch ein wenig Kraft, das Gefühl, man mache hier gerade etwas kaputt, hat man dabei aber nie. Dieser Mechanismus hält. Und beim Einstellen des Winkels senkt und hebt sich das Yoga Tablet 8 butterweich.


Nichts zu bemängeln haben wir in Sachen Akku-Leistung. Bei regelmäßiger Benutzung mit E-Mail, WWW, Musikstreaming auf Rdio (mal mit, mal ohne Bluetooth-Lautsprecher), YouTube, E-Books lesen in der Bahn, Facebook, Twitter etc. stand die Batterie auch nach drei Tagen noch im grünen Bereich. Optimieren lässt sich der Stromverbrauch außerdem über eine eigene Lenovo-App. Der Hersteller verspricht 16 Stunden Laufzeit für das 8"-Modell, zwei Stunden mehr für den großen Bruder. Das halten wir für realistisch.

Mit dem Yoga Tablet 8 bringt Lenovo einen interessanten neuen Twist in die Welt der Android-Tablets. Anschauen solltet ihr es euch auf jeden Fall. Die Integration des Standfußes ist nicht nur gelungen, sondern auch voll und ganz nützlich. So lässt sich das Tablet ohne Zubehör oder Notlösungen spontan in den unterschiedlichsten Gelegenheiten einsetzen. Die Verarbeitung ist vorbildlich, in Sachen Ergonomie ist das Tablet ein voller Gewinner und auch die Performance geht letztendlich in Ordnung. Unser Testgerät (8"-Display, WiFi, 16 GB Speicher) kostet 229 Euro. Dafür bekommt man nicht nur ein frischen, innovatives Design, sondern auch ordentlich Power. Der Formfaktor ist genau richtig, die Bedienung entsprechend problemlos, Apps öffnen sich schnell, HD-Videos werden ruckelfrei wiedergegeben. Und dank des Standfußes ist das Yoga Tablet ohne jegliches Zubehör Reiseschreibmaschine, E-Reader, Radiowecker, digitaler Bilderrahmen, Twitter-Zentrale, Facebook-Hotspot und Minikino in einem. 229 Euro also. Die 3G-Variante kostet 279 Euro, die Preise für den 10"-Bruder liegen bei 299 Euro bzw. 349 Euro. Zubehör bietet Lenovo natürlich dennoch an. Eine Bluetooth-Tastatur, die gleichzeitig als Cover für das Display verwendet werden kann zum Beispiel. Oder einen Miracast-Dongle und auch ein Kuscheltäschchen in unterschiedlichen Farben.

Gespannt sind wir nun auf mehrere Dinge. Erstens, wie und ob Lenovo die Yoga-Metapher in Zukunft in der Android-Welt ausbaut und zweitens, wie ihr das auf den ersten Blick ungewöhnliche Tablet findet.


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