Quintessenz der WWDC: Extensions & Continuity bringen Apple frischen Wind

Sascha Koesch
S. Koesch|06.03.14

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Quintessenz der WWDC: Extensions & Continuity bringen Apple frischen Wind


Danke Craig Federighi. Während die WWDC sich letztes Jahr vor allem auf den visuellen Umschwung und damit auf Jony Ive konzentrierte, hat sich dieses Jahr das Zusammenlegen der iOS und OS X Entwicklung, nach dem Fortgang von Scott Forstalls zu Federighi hin, endlich gelohnt.

Wir hatten unsere Zweifel, vor allem aufgrund der doch eher feature-bezogenen Leaks vorab, sind aber durch und durch positiv überrascht worden. Apple hat auf der 25. WWDC nicht nur eine ungeahnte Lockerheit gezeigt, sondern vor allem auch den Mut den Graben zwischen iOS und OS X langsam zu schließen. Erst jetzt habe ich das Gefühl, dass Apple sich wirklich vom Steve Jobs Schock befreien konnte.Zwar sind - soweit wir das bislang beurteilen können - immer noch nicht alle Wünsche diesbezüglich erfüllt (speziell auf dem AirPlay-Sektor könnte noch viel zusammenwachsen), aber iOS 8 und OS X Yosemite reden wieder miteinander, ach, sie schwätzen geradezu. Das ist sehr erfrischend und färbt auch auf die Grundbasis von iOS 8 ab.

Die beiden Dinge, die uns den schwindenden Glauben an Apple definitiv zurückgegeben haben, sind Continuity und Extensions.

Continuity fasst diverse Funktionen zwischen den beiden Betriebssystemen zusammen. Wir erinnern uns noch gut an die Zeit, als SMS vom Mac schicken Gang und Gäbe war, und man dort zumindest auch Anrufe annehmen konnte, damals, als es noch kein iPhone gab, das Apple mehr und mehr in unerwartete Zwanghaftigkeit führte. Jetzt ist man im Mac-Ökosystem zwischen iPhone und Mac nicht mehr auf beide Geräte in Griffweite angewiesen, sondern kann eben da telefonieren, simsen und chatten, wo man es gerade am bequemsten hat. Und endlich ist die "Nachrichten"-App auch nicht mehr dieses geschlossene System, das nur wirklich gut zwischen iPhones funktioniert, sondern alle Chats werden vom iPhone an den Mac weitergereicht. Schluss mit den daraus folgenden Zwangsjacken-Facetime-Buttons auch in Kontakten, puh, und selbst Webseiten mit Telefonnummern lassen sich jetzt endlich gleich anwählen. Ernsthaft, wir waren schon fast so weit, das wir dachten, eines Tages will uns Apple noch eine SIM-Karte für Macs verkaufen.

Öffnung wohin man sieht, scheint dank Craig Federighi das neue Credo zu sein. Handoff ist ein weiteres Merkmal dieser Continuity zwischen den Betriebssystemen. Auf dem Mac geöffnete Dateien werden nahtlos an das iOS-Gerät weitergereicht und umgekehrt. Und ja, auch dieses Feature wird, besonders wichtig, nicht nur den Apple-eigenen Apps vorbehalten bleiben, sondern Entwickler können Handoff-Funktionen in ihre Apps integrieren. Da ist die Tatsache, dass nach gefühlten Ewigkeiten AirDrop endlich auch zwischen iOS und OS X funktioniert, fast schon eine Randnotiz. Instant Hotspot, die Möglichkeit automatisch das Smartphone als Netzverbindung zu nutzen, ist ein weiteres Feature, das wir uns schon länger gewünscht hätten, das in dieser Integrationsform aber erst wirklich zur Entfaltung kommt.

iCloud Drive - die Möglichkeit endlich auf Files anderer Applikationen in der Apple-Cloud zugreifen zu können - wird von vielen vor allem als Angriff auf Dropbox oder Google Drive gesehen werden, auch weil die Preise jetzt "vernünftig" sind, wir würden aber eher vermuten, dass es als ein wichtiger Baustein eben dieser Continuity zwischen iOS und OS X geschuldet ist, und sind auch hier vor allem glücklich darüber, dass Apple den iCloud Drive Zugriff auch Entwicklern ermöglicht und sich obendrein auch Windows-Usern öffnet. Zum ersten Mal sind wir uns sicher, das die iCloud nicht nur für Apple-Fanboys zu einer wirklichen Cloud-Alternative werden kann.



Die neue Offenheit überträgt sich dank Extensions-Api auch auf iOS bis in die Grundzüge des Systems. Bislang war eine App, eine App, eine App. Bestenfalls in speziellen Bereichen wie Audio gab es wirklich sinnvolle Kommunikation über Schnittstellen, wie z.B. Inter-App Audio. Jetzt hat jede App die Möglichkeit ihre Daten und auch ihre Funktionen anderen Apps zur Verfügung zu stellen. Damit erweitern sich nicht nur die Apps selbst exponentiell, sondern bis tief ins System hinein sind plötzlich Dinge möglich, die vorher unter strenger Aufsicht von Apple standen.

Widgets in den Notifications, Sharing-Buttons, die via App als Add-On mitgeliefert, in allen anderen Apps funktionieren können. Selbst andere Keyboards, seit Ewigkeiten ein oft lautstark gehegter Wunsch vieler iPhone-Nutzer, sind über die Extensions-API jetzt plötzlich möglich. In diesem Licht wirken die lange Zeit als Über-Features von iOS 8 orakelten HomeKit und HealthKit eher wie Demos des endlosen Feldes neuer Möglichkeiten. Wir hoffen jetzt nur noch, dass die Extensions-Api sich auch auf diverse OS X Bereiche ausdehnt und dort die Kommunikation nicht bei Handoffs endet.

Es herrscht ein frischer Wind im System Apple, selbst Betatests des neuen Betriebssystems für Nicht-Entwickler sind plötzlich möglich. Touch-ID spricht auch auf ein Mal mit allen Apps, die wollen und als Zucker entwerfen sie eben mal noch eine neue, sehr moderne und praktisch-anschmiegsame Programmiersprache für die Entwickler.

Selten haben die Leaks vor der WWDC so falsche Hoffnungen auf Langeweile geschürt wie dieses Jahr und selten konnte Apple einen mit einer so stringenten Vision ihrer eigenen Zukunft dann doch so überraschen.
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