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Der Abtreibungscopter fliegt nach Polen (Video)

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Am 27. Juni wird zum ersten Mal ein Abtreibungscopter der Frauenrechtsorganisation Women on Waves (WoW) in Frankfurt/Oder abheben und eine Abtreibungsdroge nach Słubice in Polen fliegen. Die Aktionistinnen nutzen dazu eine Gesetzeslücke aus - und wollen so das Recht der polnischen Frauen auf (sexuelle) Selbstbestimmung stärken.

Die Women on Waves sind eine holländische Hilfsorganisation, die seit Jahren Frauen mit Informationen und Drogen versorgen, um selbständig und sicher Abtreibungen durchführen zu können. Ihr Name rührt von einem Boot-Projekt, mit dem sie Abtreibungsdrogen verbreiten - Video nach dem Break.

Der Abtreibungscopter ist Teil einer Kampagne, die auf das strenge Abtreibungsverbot in Polen aufmerksam macht: Dort können Frauen nur nach einer Vergewaltigung oder nach Inzest, wenn das Leben der Frau oder die Gesundheit des Fötus in Gefahr ist, eine Abtreibung durchführen lassen; selbst dann ist es besonders schwer, eine Erlaubnis dafür zu bekommen, schreiben die Women on Waves.

Mehr dazu - plus ein Video - nach dem Break.

[Bild: Women on Waves / Abortion Drone / CC BY NC SA 3.0]

In Polen leben circa 38 Millionen Menschen. Offiziell gab es allerdings 2014 nur 744 Abtreibungen. Zum Vergleich: In Deutschland waren es im Jahr 2014 offiziell 99700 Abtreibungen. WoW geht deswegen davon aus, dass es in Polen eine Vielzahl illegaler Abtreibungen unter gefährlichen Umständen gibt - verstärkt noch von der mangelnden Sexualaufklärung, dem Sterilisationsverbot und den schlecht erhältlichen Verhütungsmitteln.

Statt mit einem Copter geht die Pillenverbreitung auch mit einem Schiff im Meer

Die Copter-Aktion ist wegen einer Gesetzeslücke möglich: Die für die Aktion bereit gestellten Abtreibungsdrogen Mifepristone und Misoprostol sind in Deutschland seit 2005 legal - in Polen aber noch immer nicht zugelassen. Der Weltgesundheitsorganisation zufolge können Frauen mithilfe solcher Drogen sicher und selbständig Abtreibungen vornehmen. Auch wenn die Drogen in Polen nicht zugelassen sind, ist es polnischen Frauen laut WoW nicht verboten, diese Mittel einzunehmen, im mit ihnen eine Fehlgeburt einzuleiten.

Der Copter erfüllt dabei vor allem eine repräsentative Aufmerksamkeit: Er soll Aufmerksamkeit erregen. "Seit Jahren setzen wir auf innovative Strategien mit Schiffen, Handys, Apps, Printmaterialien, Grasswurzel-Mobilisierung, Internet und Kunst", schrieb mir eine der Organisatorinnen. Der Abtreibungscopter sei dabei eine neue Strategie mit einer neuen Technik. "Die Drohne soll darauf aufmerksam machen, dass medizinische Abtreibungen für Frauen in Polen erhältlich sein sollten und das ist genau das, was die Drohne kann." Copter seien ja schließlich die Zukunft der Lieferdienste.

Aber ist das nicht Verboten, so ein Coptertransport? Weil das eingesetzte Gerät weniger als 5 Kilogramm wiegt, ist auch für ihn keine Zulassung für den Luftraum notwendig. Die Aktionistinnen können also die Droge legal in Deutschland erwerben und nach Polen fliegen, wo sie dort von Frauen im Empfang genommen und an unerwünscht schwangere Frauen weiter verbreitet werden können.

Jetzt bleibt nur abzuwarten, wie die polnischen Behörden auf die Protest- und Hilfsaktion reagieren.

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