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UN-Expertin: Dating-Apps befördern HIV-Epidemie unter Jugendlichen

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Warum gibt es eine neue HIV-Epidemie unter Jugendlichen? Unter anderem wegen Dating-Apps, sagt eine HIV-Expertin der Unicef, nachdem die Vereinten Nationen die Ergebnisse einer zweijährigen Studie mit Teilnehmern aus dem Gebiet Asien-Pazifik veröffentlicht hat: Adolescents Under The Radar.

Demnach hätte sich der Anteil der HIV-infizierten 10- bis 19-Jährigen in der Region auf 220.000 erhöht, obwohl im Bevölkerungsschnitt der Anteil der HIV-Infektionen abnimmt. 2014 habe es 50.000 Neuinfektionen unter den 15-19-Jährigen gegeben, 15 Prozent mehr als im Vorjahr.

Ein Grund für die neue HIV-Welle sei der Erfolg von Dating-Apps, über die schnell und komfortabel Sexdates ausgemacht werden können, sagte die HIV-Expertin Wing-Sie Cheng im Interview mit dem Guardian. Dadurch würden enge Netzwerke unter Sexpartnern entstehen, entlang deren Verbindungen sich das Virus (und andere Krankheiten) ausbreiten können.

Weiter nach dem Break.

[Bild: Unicef via unicef.org ]

Vor allem betroffen seien schwule Männer und Mädchen, die sexuell ausgebeutet werden, dann Menschen, die Drogen injizieren, junge Transgender-Personen und Sexarbeiter.*



"Junge schwule Männer haben uns immer wieder erzählt, dass sie jetzt mobile Dating-Apps benutzen, um Sexdates auszumachen und häufiger Sex mit immer mehr Menschen haben. Diese Art riskantes Verhalten verstärkt die Verbreitung von HIV," so Wing-Sie Cheng, HIV/Aids-Berater der Unicef in Ostasien und Pazifik. "Wir sind deswegen davon überzeugt, dass es da einen Zusammenhang gibt und wir besser mit Mobile-App-Anbietern zusammenarbeiten müssen, um Informationen über HIV miteinander zu tauschen und die Gesundheit von Heranwachsenden zu schützen."

Das ist nicht das erste Mal, dass Gesundheitsforscher vor dem Einfluss von Dating-Apps auf die Verbreitung von Krankheiten hinweisen. In den vergangenen Jahren wurden bereits auf die gestiegenen Infektionsfälle von Syphilis und Tripper nach dem Erfolg der Schnelldate-App Tinder hingewiesen (in Utah & Gesundheitsbehörde von Rhode Island), einigen Experten gilt der Erfolg dieser Apps als ein Beschleuniger von Infektionen mit sexuell übertragbaren Krankheiten.

Zahlen aus der Studie

  • Weniger als die Hälfte der Infizierten erhalte ärztliche Hilfe; in den Philippinen verdoppelte sich die HIV-Rate unter Jugendlichen in den letzten vier Jahren; das Ansteckungsrisiko für junge Männer in Bangkok sei bereits 1:3.
  • Die Hauptlast tragen nur zehn Staaten aus der Region. 98 Prozent aller HIV-infizierten Jugendlichen zwischen 10 und 19 Jahren in Asien-Pazifik leben in: Kambodscha, China, Indien, Indonesien, Myanmar, Pakistan, Papua-Neuguinea, den Philippinen, Thailand und Vietnam.
  • Der höchste Anteil unter den HIV-infizierten Heranwachsenden sei in Papua-Neuguinea und den Philippinen gemessen worden: 10 Prozent aller Infizierten.
  • Un den Philippinen sei die Zahl der HIV-Infizierten zwischen 15 und 19 Jahren in den letzten vier Jahren um 50 Prozent gestiegen, von 800 auf 1.210 Fälle von 2010 bis 2014.
  • In Südasien hätten sich die mit AIDS zusammenhängenden Todesfälle der 10- bis 19-Jährigen von 1.500 in 2001 auf 5.300 in 2013 fast vervierfacht. In Ostasien und Pazifik sei im gleichen Zeitraum die Anzahl der Toten von 1.000 auf 1.300 gestiegen.

Die komplette Studie, Bilder und Videos gibt es hier.


* Ob es einen konkret messbaren Zusammenhang zwischen App-Gebrauch und HIV-Risiko gibt, geht aus dem Bericht beim Guardian nicht hervor - aber nur da wird der Einfluss der Apps ausdrücklich erwähnt.

Nicht wundern, dass in der UNaids.org-Website der UN in Asia and the Pacific zwischen 2000 und 2014 ein erheblicher Rückgang der Infektionszahlen um 31 Prozent von 500.000 auf 340.000 Personen genannt wird. Eine - etwas veraltete - Antwort darauf findet sich im Unicef-Blog für Ostasien und Pazifik, für den Wing-Sie Cheng schreibt. Dort heißt es:

Trotz sinkender HIV-Infektionszahlen in den meisten Ländern von Asien-Pazifik gibt es 52.000 neue HIV-Infektionen bei den Heranwachsenden, insgesamt sind das 15 Prozent aller neuen HIV-Infektionen (350.000) im Jahr 2013.

Aus den in der aktuellen Studie veröffentlichten Zahlen geht hervor, dass der damalige Trend nicht abbrach.

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