Image credit:

Traceroute: Nerd-Doku kommt nach Deutschland

0 Shares
Share
Tweet
Share
Save


Die Wurzeln der Nerd-Kultur, wie sie heute gepflegt wird, liegen in den USA der Achtzigerjahre. Aber ihre Pollen wehten bis in die österreichische Provinz, wo sie in Johannes Grenzfurthner fruchtbaren Boden fand. Viele Jahre später macht sich der heutige Nerd und Künstler in den USA auf die Suche nach diesen fernen Wurzeln, nach Wucherungen und Protagonisten und dreht darüber einen Film, den er Traceroute nennt: die Rückverfolgung eines Signals im Datennetz.

Ich habe den Film schon gesehen und war angenehm überrascht. Wer Grenzfurthner kennt, kann sich die Egoshow, die dieser Film auch ist, gut vorstellen: Mit koketter Selbstironie und großer Klappe trifft Grenzfurthner Orte und Leute und geht mit ihnen gleichermaßen um. Der Film ist etwas ziellos, mal Roadtrip, mal Randnotizensammlung, mal einsichtig und dann wieder möglichst blöd. Die Interviewpartner werden teilweise unterfordert und überhaupt wirkt alles ein wenig huschhusch. Aber über seine zwei Stunden Laufzeit bleibt der Film doch unterhaltsam (vielleicht so, wie ein Neunzigerjahre-Klick-Marathon im Internet). Das liegt trotz aller Ansage auch an Grenzfurthners Selbstironie und einem oft aufwallenden Gefühl des: Wir sind so groß und doch so klein zugleich, wir Nerds.

Traceroute ist sicherlich nicht der ganz große Wurf. Aber für mich ist es bislang die beste Nerd-Doku, die ich gesehen habe. Einfach nur, weil sie sich nicht so bierernst nimmt, wie all die anderen. Grenzfurthner ist eben auch ein Nerd-Kritiker, ein Neomarxist und Künstler: er kann das alles gar nicht unkritisch hin nehmen, was diese Szene eben auch ausmacht. Und das ist vielleicht das größte Verdienst von Traceroute: dass es mit einem ganz altertümlichen Nerd-Begriff hantiert, nämlich einem der niemals kompatibel mit Fintech, Unicorn und iGod ist.

Traceroute feiert seine Deutschland-Premiere Anfang Mai beim DOK.fest in München und kommt danach zum European Media Art Festival in Osnabrück.

Trailer nach dem Break.

From around the web

ear iconeye icontext filevr