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Review: Bose QuietComfort 35

Aktive Geräuschunterdrückung, erstmals mit Bluetooth
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Seit knapp drei Jahren ist mein Lieblingskopfhörer ein Pärchen InEars von Bose, genauer gesagt die QC 20. Großer Vorteil: neben der Konstruktion, die wie durch ein Wunder genauestens in meine Ohrform passt, verfügen sie über aktive Geräuschunterdrückung. Die funktioniert überraschend gut und ich habe mich mittlerweile so an die Vorzüge dieser Technik gewöhnt, dass jeder konventionelle Kopfhörer, egal ob InEar oder Bügelform, mittlerweile etwas vermissen lässt. Bei mir, in meinem Kopf. Die InEars haben aber auch einen großen Nachteil: Elektronik und Akku stecken in einem gar nicht mal so kleinen Kästchen, fest verbaut im Kabel, kurz vor der Miniklinken-Buchse in Richtung Smartphone. Dieses Kästchen ist – gerade im Sommer, wenn man keine Jacke dabei hat – schon ein bisschen lästig.

Kabelgebundene Geräuschunterdrückung gehört bei Bose zukünftig der Vergangenheit an. Die neuen Kopfhörer-Modelle – kürzlich erst vorgestellt – setzen allesamt auf Bluetooth, verzichten also auf das Kabel. Das betrifft auch einen der erfolgreichsten Noise-Canceling-Kopfhörer überhaupt, den QC 25. Dessen Nachfolger ist der QC 35. Und genau der ist das erste der neuen Produkte, der im Handel landet.



Mit einem Listenpreis von 380 Euro ist der QC 35 von Bose nicht gerade ein Schnäppchen, die Industrie hat den Wunsch der Kunden von Kopfhörern ohne Kabel und gleichzeitiger Abschirmung von Umgebungsgeräuschen jedoch schon seit einiger Zeit erkannt. Nicht nur als technische Herausforderung, sondern vor allem als Möglichkeit, hohe Gewinnmargen zu rechtfertigen. Stille kostet viel Geld. Was nicht bedeuten soll, dass die Entwicklung ein Kinderspiel wäre, ganz im Gegenteil: Noise Canceling ist bei aller versprochenen Annehmlichkeit mitunter auch ein Garant für sonische Überraschungen (das Schließen von U-Bahn-Türen zum Beispiel führt bei den schon erwähnten InEars immer zu unerwünschten "Bombenexplosionen"). Windgeräusche sind genauso problematisch, hier kann die Elektronik nur schwer gegensteuern. Gekoppelt mit Bluetooth und den immer wieder auftretenden Verbindungsproblemen bzw. -abbrüchen (vielleicht bringt hier Bluetooth 5.0 lang ersehnte Verbesserungen) könnten den QC 35 auch zu einem Problempatienten machen.

Mit rund 300 Gramm Eigengewicht ist der QC 35 zunächst angenehm leicht, die Verarbeitung trotz Kunststoff solide und sowohl die Polster der Ohrmuscheln als auch der weiche Bügel sorgen für Tragekomfort. Die Verbindung mit dem Smartphone geht schnell, beide Geräte finden und verbinden sich zudem ohne Verzögerung, wenn man den Kopfhörer ausgeschaltet hatte. Eine Stimme informiert über den Akkustand und das verbundene Telefon, bei eingehenden Anrufen wird die Nummer der Gegenstelle vorgelesen, bzw., wenn gespeichert, der Klarname des Anrufers kommuniziert. Anders als beim kabelgebundenen Vorgänger, kommt beim QC 35 keine AAA-Batterie zum Einsatz, sondern ein fest verbauter Akku, der rund 20 Stunden halten soll. Ein realistischer Wert. Und ist der Akku doch mal leer, kann dank des klassischen Klinkenkabels weiter Musik gehört werden – nur eben ohne Geräuschunterdrückung. Es ist eine gute Idee, darauf zu achten, dass der QC35 immer genug Saft im Akku hat. Denn natürlich findet die Klangformung im integrierte DAC statt und der braucht Strom. Ohne klingt der QC 35 eher schlapp und ist sein Geld bestimmt nicht wert.


Bei voller Batterie jedoch kann der QC 35 durchaus überzeugen. Der applizierte EQ ist offensichtlich und war genau so zu erwarten: Der Bass wird betont, eine Tieffrequenz-Orgie bleibt jedoch aus. Bei hoher Lautstärke empfand ich einzig die Höhen als unangenehm, ein leichtes Zurückfahren der Lautstärke schafft hier Abhilfe und das Klangbild ist wieder ausgeglichen. Das sind vollkommen subjektive Eindrücke, so sei auch hier darauf hingewiesen: Sound ist ein ganz individuelles Empfinden, jedwede Versprechungen sollten vor dem Kauf im Laden überprüft werden.

Die Steuerung des QC 35 ist einfach. An der rechten Ohrmuschel sind unten drei Knöpfe angebracht: lauter, leiser und Start/Stop. In der rechten Ohrmuschel befindet sich auch der Bluetooth-Empfänger, Mikrofone sind in beiden Seiten verbaut. Im Alltag schlägt sich der Bose-Neuling erfreulich gut, in den zurückliegenden zwei Wochen, in denen ich den Kopfhörer täglich im Einsatz hatte, traten so gut wie keine Verbindungsabbrüche, also kurze Aussetzer in der Musik auf. Es ist aber definitiv eine gute Idee, das Telefon in den rechten Hosentaschen unterzubringen, um dieses Risiko weiter zu minimieren. Am Arbeitsplatz mit dem iPhone auf dem Tisch und den zu verarbeitenden Trittschall bei Bewegungen, ist die Verbindung zu 100% stabil. Die Geräuschunterdrückung ist Bose-typisch gut, der QC 35 kann mit Wind und plötzlich auftretenden Umgebungsgeräuschen zudem deutlich besser umgehen, bzw. diese abschirmen, als die InEars QC 20.


Eigentlich ist der QC 35 von Bose ein ziemlich gelungenes Gesamtpaket. Ob die Abschirmung von der Umwelt und ihren mitunter lästigen Geräuschen nun 380 Euro wert sind oder nicht, muss man mit sich und seiner Geldbörse ausmachen. Es zeigt sich jedoch auch, dass Bluetooth als Verbindungsprotokoll zwischen Telefon und Kopfhörer immer noch nicht ganz unproblematisch ist. Und dabei geht es nicht vornehmlich um die Datenkomprimierung. Es geht viel mehr um das Aufrechterhalten einer verlässlichen Funkstrecke zwischen beiden Geräten. Bose hat das mit dem QC 35 gut im Griff, wenn auch nicht zu 100 %, kann die "Kernkompetenz" des Kopfhörers also nicht voll und ganz garantieren. Vielleicht hilft ja ein Software-Update. Die sind der einzige Grund, warum man die iOS/Android-App installieren sollte, die zum Kopfhörer gehört. Die sieht zwar im Layout fancy aus, bietet sonst aber überhaupt keinen Mehrwert.


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