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Der Satz, den Zuckerberg wieder aus seinem Manifest löschte

Wie unheimlich darf Facebook sein?
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Mashable hat genau hingeschaut und eine entscheidende Änderung am Entwurf und dem tatsächlich veröffentlichten Facebook-Manifest von Mark Zuckerberg entdeckt. Und diese Änderung lässt tief blicken.

Heißt es in der veröffentlichten Version, dass ...

"... eine der besten Chancen für den besseren Schutz der Menschen die Entwicklung Künstlicher Intelligenzen ist, die schneller und genauer verstehen, was in unserer Gemeinschaft passiert ... In der Zukunft wird es noch mehr Fälle geben, in denen unsere Community in der Lage sein sollte, Risiken, die mit der geistigen Gesundheit, Krankheit oder Kriminalität zu tun haben, zu erkennen."

... stand in einer vorab verschickten Version noch, dass

"... das große Versprechen von Künstlicher Intelligenz ist, dass sie nicht nur Risiken schneller und genauer erkennen kann als bisher, sondern dass sie auch Risiken erkennen kann, die niemand zuvor erkannt hätte - zum Beispiel Terroristen, die Anschläge über private Kommunikationskanäle planen, Leute, die jemanden tyrannisieren, der zu verschüchtert ist, um das zu melden und andere lokale und globale Probleme. Es wird Jahre dauern, solche Systeme zu entwickeln."

Im Klartext: Zuckerberg kündigt an, dass seine Künstlichen Intelligenzen Privatnachrichten lesen können werden - und das in einem Text, merkt Mashable an, der auch WhatsApps Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und die Wichtigkeit des Schutzes der Privatsphäre anpreis.

Hintergrund

Mark Zuckerberg hat in einem 6.000 Worte langen Manifest die Zukunft seines Unternehmens - etwas arg schwammig - ausgebreitet: Er wolle eine "weltweite Gemeinschaft" aufbauen und nicht mehr nur private Netzwerke abbilden. Um so mehr, als dass noch vor wenigen Jahren gültige Vorstellungen einer integrierten Weltgemeinschaft ("das globale Dorf") längst abgewertet wurden und unmöglich erscheinen. "Für den Fortschritt", so Zuckerberg, "muss die Menschheit nun zusammenkommen, und zwar nicht nur als Städte oder Nationen, sondern als weltweite Gemeinschaft".

Dass so ein Ansinnen naiv wirken könnte, sogar vermessen und gruselig, scheint Zuckerberg ganz zu entgehen. Oder er unterschlägt den hegemonialen Anspruch, der hinter solchen Zeilen steht:

"Die soziale Infrastruktur aufzubauen, aus der eine weltweite Gemeinschaft erwachsen kann, ist in Zeiten wie diesen das wichtigste, das wir bei Facebook tun können."

Denn globale Kommunikationsinfrastrukturen sollten nicht im Besitz einer einzigen Institution sein, schon gar nicht, wenn diese nicht nur die Infrastruktur besitzt, sondern auch die Macht darüber, was über sie verbreitet wird - und dann noch in die Inhalte eingreifen kann. So etwas zu wünschen, aus welchen hehren Motiven auch immer, zeigt einen totalitären Anspruch.

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