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Verdächtiger gibt sein OK: Amazon übergibt Behörden Alexa-Daten

Die Frage bleibt offen: Fallen Bot-Aufzeichnungen unter den Schutz der freien Meinungsäußerung?
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Interessante Wendung in einem Mordfall: Amazon wird die Alexa-Daten eines Mordverdächtigen an die Strafverfolger übergeben, nachdem der Verdächtige sein Einverständnis gegeben hat. Das Unternehmen hatte sich zunächst gegen die Übergabe gewehrt, um "die Privatsphäre unserer Kunden" zu schützen - Alexas Fragen und Antworten fallen unter den besonderen Schutz der freien Meinungsäußerung.

Diese Daten sind aus zwei Gründen wichtig: Einerseits könnten sie bei der Aufklärung eines Mordfalls helfen. Nahe der Badewanne, in der ein Mordopfer gefunden wurde, befand sich ein Amazon Echo. Er könnte zufällig oder absichtlich vor, während oder nach der Tat aktiviert worden sein. Mit den Daten könnte auch festgestellt werden, ob der Tatverdächtige zur Tatzeit schlief, wie er angab.

Auf der anderen Seite sind diese Daten durch das Auskunftsersuchen der Ermittler grundsätzlich wichtig geworden: Wie sind solche automatischen Bot-Aufzeichnungen vor Gericht zu verwerten? Sind sie besonders schützenswert oder können sie ohne weiteres als Beweis verwertet werden?

Diese zweite, größere Frage wird wohl ein andermal beantwortet werden. Weil der Tatverdächtige sein OK gab, können die Daten verwertet werden, ohne dass ihr Stellenwert geklärt werden müsste. Er sei unschuldig in allen Anklagepunkten, teilte sein Anwalt mit.

Hintergrund

Es geht um einen Mord an einen ehemaligen Polizeibeamten aus Georgia im Jahr 2015. Er wurde tot in der Badewanne eines Freundes gefunden - der die Polizei rief, nachdem er den bewusstlosen Körper gefunden habe. Es sei ein Unfall gewesen sagte dieser Freund, aber Spuren an der Leiche und Blut neben der Badewanne deuteten auf ein Gewaltverbrechen hin.

Ein Echo-Lautsprecher war in der Nähe der Badewanne aufgestellt und spielte Streaming-Musik ab. Die Behörden hoffen nun, dass der Lautsprecher zufällig mit einem Schlüsselwort aktiviert wurde und die in Amazons Datenzentren gespeicherten Aufzeichnungen weitere Informationen zum Todeszeitpunkt und den Todesumständen liefern könnten.

Amazon Echo zeichnet nur Toninformationen auf, wenn es das Schlüsselwort "Alexa" hört. Die Aufzeichnungen werden an ein Amazon-Rechenzentrum übertragen und verbleiben dort, bis sie vom Kunden gelöscht werden. Allerdings sei es laut unseren Kollegen von Engadget US nicht ungewöhnlich, dass das Gerät auch versehentlich auf Aufnahme schaltet und so zufällige Geräusche an die Amazon-Rechenzentren überträgt.

Amazon teilte unseren Kollegen mit:

"[Wir] übermitteln keine Kundeninformationen ohne eine gültige und bindende, anständig zugestellte rechtliche Ansprüche. Amazon wehrt sich gewöhnlich gegen überbordende oder anderweitig unangemessene Ansprüche."
Laut den ermittelnden Beamten hatte der Mordverdächtige noch weitere Smart-Home-Geräte, darunter einen vernetzten Wasserzähler. Anhand dessen Daten konnten sie nachweisen, dass im Haushalt des Verdächtigen zwischen 1 und 3 Uhr morgens rund 530 Liter Wasser abgeflossen sind. Das Mordopfer wurde in der Wohnung des Verdächtigen in dessen Badewanne gefunden. Laut den Ermittlern hatte der angebliche Mörder viel Wasser benutzt, um seine Mordspuren zu verwischen.


Der Fall wirft viele Fragen zur Datensicherheit und dem Datenschutz auf. Sollten all die vernetzten Sensoren in unserem Alltag auch nachträglich zu Überwachungswerkzeugen umdefiniert werden können - ein großer Lauschangriff durch die Hintertür?

Der Anwalt des Beschuldigten sagt natürlich: Nein! "Man erwartet in seinem Zuhause eine gewisse Privatsphäre. Für mich ist das sehr problematisch, wenn Strafverfolger genau die Technik, die unsere Lebensqualität verbessern soll, gegen uns richten können."

Die ganz andere Frage ist natürlich: Wie verlässlich sind solche Daten überhaupt? Dass man einem digitalen Wasserzähler nicht glauben muss, liegt nahe. Aber wie sieht es mit Audio-Aufzeichnungen etwa des Amazon Echo aus? Und was, wenn sie nur als menschliches Transkript vorliegen? Oder gar nur als maschinelles?
Wie zuvor schon beim iPhone aus dem San-Bernardino-Fall werden Strafverfolgungsbehörden, Datenschützer, Anwälte und Gerichte wohl noch öfters in nächster Zeit wegen genau dieser Fragen aneinander geraten.

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