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Computerwaffenhändler fallen auf Undercover-Reporter herein

Sie verkaufen ihre Überwachungssysteme auch an sanktionierte Regime
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Wie kommt man als autoritäres Regime, dessen Außenhandel sanktioniert ist, an Systeme zur Massenüberwachung der eigenen Bevölkerung, zur Jagd auf Dissidenten und Niederschlagung ziviler Unruhen? Man fragt einfach die Hersteller solcher digitaler Machtinstrumente. Die wissen, wie man diese Cyberwaffen zum Beispiel in den Iran oder in den Südsüdan als harmlose Technik einführt.

So geschehen bei zwei italienischen und einem chinesischen Hersteller solcher Systeme: Verteter der italienischen Firmen IPS und AREA und der chinesischen Firma Semptian sind auf Investigativ-Reporter von Al Jazeera hereingefallen, die sich als Vertreter der sanktionierten Regime ausgaben. Zusammen mit den Reportern entwarfen sie einen Plan, wie die fraglichen Geräte erst unkenntlich gemacht werden und über Scheinfirmen in Tunesien als "Geschenk" zum Beispiel in den Südsudan geliefert werden können. Ein klarer Verstoß gegen die Sanktionen gegen dieses Land.

AREA bot die Hilfe des türkischen Partners BTT an: Der schlug vor, die Geräte als "Telekom-Testgerät" auszuzeichnen und so die Sanktionen zu umgehen.

Die Firmen erklärten später gegenüber Al Dschasira, dass ihr Angebot missverstanden wurde und dementierten jede Schuld.

Bei den fraglichen Systemen handelte es sich um IMSI-Catcher zur Massenüberwachung von Handy-Datenverkehr und um sogenannte IP Intercept Systems zur Überwachung bestimmter Internet-Geräte.

Der ganze Bericht, als 45-minütiger, aufwändiger (und hübscher) Videobeitrag oder als Fließtext, ist beunruhigend. Wer autoritäre Regimes mit Systemen zur Massenüberwachung versorgt, hilft ihnen bei der Verfolgung, Folter und Ermordung, bei der Unterdrückung und Verteidigung menschenfeindlicher Herrschaftssysteme.

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