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'Hell': Geheimprogramm von Uber zielte auf Lyft-Fahrer ab

Was macht die Konkurrenz - und wie lockt man sie auf die eigene Seite?
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Nach den Vorwürfen der psychologischen Ausbeutungsstrategien von Fahrern, droht Uber ein weiteres Datenungemach: Laut Informationen von The Information spionierte das kontroverse Logistikunternehmen Uber zwischen 2014 und 2016 Fahrer der Lyft-Konkurrenz aus. Das Geheimprogramm Hell war dabei nur der obersten Führungsriege und einigen DatenwissenschaftlerInnen zugänglich. Sein Name habe es als Gegenstück zu Ubers internem Tracking-Programm God View oder Heaven bekommen.

Hell begann laut The Information damit, dass Uber Nutzerkonten für angebliche Fahrer anlegte, um so Lyft-Aktivitäten in einer ganzen Stadt ableiten zu können. Pro Fake-Profil konnte Uber so die Position von bis zu acht Lyft-Fahrern in der Umgebung verfolgen.

Weil Lyft-Fahrer offenbar eine eindeutige Identifikationsnummern zugeteilt wird, konnte Uber einzelne Fahrer identifizieren, die sowohl Fahrten von Uber als auch von Lyft annahmen. Diese Fahrer, so ein Plan von Uber-Geschäftsführer Travis Kalanick und einigen Angestellten, sollten dann mit besonderen Angeboten dazu bewegt werden, nur noch für Uber zu fahren. Die so gesammelten Daten sollen gezeigt haben, dass 60 Prozent aller Lyft-Fahrer auch ein Uber-Konto hatten.

Solche Fahrer mit Lyft- und Uber-Nutzerkonto wurden mehr Fahrten zugeteilt, außerdem bekamen sie spezielle Boni, wenn sie eine Mindestzahl von Uber-Fahrten pro Woche absolvierten. Mehrere Zehnmillionen Dollar pro Woche soll Uber für dieses spezielle Bonusprogramm bezahlt haben. Treue Uber-Fahrer gingen leer aus.

Das Geheimprogramm endete 2016, nachdem Lyft expandierte und die Kosten für das Uber-Bonusprogramm explodiert wären. Trotzdem habe Kalanick das Programm auch noch nach seinem Ende gelobt: es passe perfekt zur Anschaffer-Kultur der Firma.

Noch steht eine Stellungnahme von Uber aus. Lyft hingegen teilte The Information bereits mit:

Wir sind in einer kompetitiven Branche. Es wäre aber sehr bedenklich, falls sich diese Vorwürfe als wahr herausstellen sollten."

Einige Kanzleien, die mit Uber zusammenarbeiteten, teilten The Informationen aber mit, dass das Unternehmen einige Klagen ausgesetzt sehen könnte, unter anderem wegen Vertragsbruch, unfairem Geschäftsverhalten, Aneignung von Geschäftsgeheimnissen und Verstoß gegen den Computer Fraud and Abuse Act.

Zunächst aber sind die Vorwürfe auch eines: Ein weiterer Angriff auf Kalanicks Position als umstrittener Firmenchef.

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