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Bildschirmbabys schlafen weniger

Circadiane Rhythmusverschiebungen
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Säuglinge, die am Handy oder Tablet spielen, schlafen später ein und wachen früher auf als Offline-Babys: Eine Viertel Stunde Schlafzeit weniger pro Bildschirmstunde. Das hat eine Studie von ForscherInnen der Birbeck University in London ergeben, die jetzt in Nature veröffentlicht wurde. Das veränderte Schlafverhalten könnte zu Schlafproblemen und Entwicklungsstörungen führen.

Die Forschergruppe befragte 715 Eltern zum Schlaf- und Mediennutzungsverhalten ihrer Kinder. Eine Auswertung der Daten ergab pro Bildschirmstunde durchschnittlich 15,6 Minuten weniger Schlaf oder insgesamt 26,4 Minuten weniger Schlaf pro Nacht und 10,8 Minuten mehr Schlaf am Tag.

"Das ist keine riesige Sache, wenn man täglich 10 bis 12 Stunden schläft," erklärt Mitautor Tim Smith der BBC. "Aber in der Frühentwicklung ist wegen der Vorteile des Schlafs jede Minute wichtig." Das liege an der Neuroplastizität des Hirns, also dessen Eigenschaft, neue neuronale Verbindungen als Reaktion auf Stimuli oder Veränderungen der Umgebung zu bilden. Diese Eigenschaft sei am stärksten während der frühen Kindheit.

Eine interessante Frage bleibt in der Studie leider offen: Warum schlafen Kinder später ein, wachen früher auf und schlafen tagsüber mehr, wenn sie öfters vorm Bildschirm sitzen? Sind ihre circadiane Rhythmiken vom Blauanteil im Licht durcheinandergebracht? Sind sie vom Spielen aufgeregt oder schieben sie das Einschlafen hinaus, um noch ein wenig mehr spielen zu können? Das müssen weitere Studien klären.

Und wie soll man jetzt mit den Informationen umgehen? Die ForscherInnen warnen vor einem strikten Handyverbot. Denn Kinder können an den Geräten auch ihre Motorik verfeinern. "Deshalb könnte ein striktes Verbot der Touchscreen-Nutzung junge Kinder behindern im Sinne der möglichen Vorteile dieser Geräte."

Damit ist die Sache aber wohl auch schon klar: Die Zeit am Bildschirm kann begrenzt und durch andere, nicht digitale Spiele ersetzt werden, die auch die motorischen Fähigkeiten ausbilden.

Aber was ist überhaupt zu viel Bildschirmzeit? Nicht viel: Die American Pediatricians Association gibt an, dass Kinder zwischen 2 und 5 Jahren maximal eine Stunde pro Tag vor einem Bildschirm sitzen sollten. Die deutsche Initiative Schau Hin! rät dagegen zu maximal einer halben Stunde "und das auch nicht täglich".

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