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Hands-On: Das ist das neue HTC U11

Edge Sense, Alexa, Snapdragon 835 und neues Autofokus-System
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Wie erwartet hat HTC heute sein neues Flaggschiff-Smartphone vorgestellt. Es heißt HTC U11 und kommt am 1. Juni für einen Preis von 749 Euro in Deutschland in den Handel. Viele der implementierten Features und Ausstattungsmerkmale des Telefons waren in den vergangenen Wochen und Monaten bereits durchgesickert, ein paar Dinge jedoch konnte der taiwanesische Hersteller bis zum Schluss geheim halten. Was das U11 nun wirklich kann, damit konnte ich mich bereits in der vergangenen Woche während eines Presse-Briefings vertraut machen, auch mit der neuen Steuerung, bei der über ein Druck auf den Rahmen bestimmte Funktionen ausgelöst werden können. HTC nennt das Edge Sense.

Gallery: HTC U11 (Hands-On) | 13 Photos


Gallery: HTC U11 (Pressebilder) | 28 Photos



Das HTC U11 folgt der Designsprache, die bereits mit dem U Play und U Ultra vorgestellt worden war: Vorder- und Rückseite sind mit Glas bedeckt, wobei die schillernde Rückseite in allen Farbvarianten Fingerabdrücke magisch anzieht. Zum Marktstart wird es das U11 in vier Farben gehen: blau, schwarz, weiß und silbergrau. Wenige Wochen später soll eine rote Variante folgen. Auf den von HTC gezeigten Fotos wirkte dieses Rot kräftig und tief, soll in echt jedoch eher hell und fast schon in Richtung orange gehen. Die Vorderseite des U11 wird von 3D Gorilla Glass 5 geschützt, das heißt, dass das Glas nicht nur zu den Seiten hin leicht abgerundet ist, sondern auch an den Ecken. Unter dem Gorilla-Schutz strahlt ein 5,5" großes LCD-Display mit 1.440p-Auflösung in gewohnter HTC-Qualität. Das Gewicht des U11 liegt bei 169 Gramm.


Bevor es um Edge Sense geht, zunächst noch ein Blick auf die weitere technische Ausstattung. Zum 20. Geburtstag des Unternehmens setzt HTC voll und ganz auf Highend. Der Prozessor ist ein Snapdragon 835 von Qualcomm, der auf 4 GB RAM und 64 GB internen Speicher zurückgreift. Dieser lässt sich mit einer microSD-Karte auf bis zu 2 TB erweitern. Die Geräte, die im freien Handel verkauft werden, sind außerdem darauf ausgelegt, zwei SIM-Karten aufnehmen zu können, wenn man auf die microSD verzichten will oder kann. Wer das U11 jedoch beim Mobilfunkanbieter kauft – Telekom, Vodafone und o2 sind alle mit an Bord – hat diese Möglichkeit nicht: keine Überraschung. Unterhalb des Displays sitzt der Fingerabdrucksensor, der in meinem ersten Test schnell und verlässlich funktionierte.


Bei den Kameras hat HTC erneut nachgebessert und setzt gleichzeitig auf ein anderes System. Die Hauptkamera auf der Rückseite setzt zwar weiterhin auf Ultrapixel und eine Auflösung von 12 Megapixel, kommt aber – anders als das U Ultra – ohne Laser-Autofokus aus. Stattdessen kommt ein Dual-Pixel-Autofokus zum Einsatz. Die Kamera ist mit optischer und elektronischer Bildstabilisation ausgestattet, auch die Blende wurde erneut leicht verbessert: f/1.7 bei einer Brennweite von 28 Millimeter. Ebenfalls überarbeitet wurde der HDR-Modus. Das wurde laut HTC vor allem durch den Snapdragon 835 möglich, der die dafür benötigte Rechenleistung liefern kann. Videos können in 4K aufgenommen werden. Damit die auch gut klingen, liefern die vier integrierten Mikrofone des U11 entweder 360°-Sound oder aber einen so genannten Audio Zoom, mit dem der Klang ganz gezielt aus einer Richtung her eingefangen werden kann. Die vordere Kamera nimmt Videos mit 1080p auf, bietet eine f/2.0-Blende, 16 Megapixel und ebenfalls den neuen HDR-Modus. Bild- und Videoqualität scheinen in Ordnung, gezeigt werden sollen sie aber erst, wenn die Software final ist und die Testgeräte ausgegeben werden. Auch Benchmarks waren noch nicht erwünscht, aber die sind ja bekanntlich eh nicht aussagekräftig.


Etwas verwunderlich wirkt die Tatsache, dass das U11 lediglich mit 3.000 mAh Akku-Power ausgestattet ist. Ob das faktisch für einen Tag oder mehr reicht, bleibt abzuwarten.

Wie schon beim U Play und U Ultra verzichtet HTC beim U11 auf den traditionellen Kopfhörerausgang und setzt stattdessen auf USB C. Die mitgelieferten InEars sind jedoch neu und unterstützten aktive Geräuschunterdrückung. Solche Ohrhörer einem Smartphone beizulegen, ist eine feine Geste. Die neuen Stöpsel lassen sich für die eigenen Ohren einmessen, HTC hat diesen Vorgang jedoch im Vergleich mit dem Play und Ultra deutlich vereinfacht bzw. verkürzt. Das Headset klingt laut, kräftig und erstaunlich ausgewogen, wie gut die Geräuschunterdrückung tatsächlich funktioniert, müssen weitere Tests unter realen Bedingungen zeigen.


Aber was hat es nun mit Edge Sense auf sich? Die bisherigen Leaks und Teaser deuteten in die richtige Richtung. Der untere Teil des Rahmens des U11 – links und rechts vom Display – ist berührungsempfindlich und reagiert auf Druck. Wie genau dieses Prinzip funktioniert wollte HTC auf Nachfrage nicht verraten: Ein Sensor sei es nicht, aber auch keine reine Mechanik. Das Telefon unterscheidet zwischen kurzem und langem Druck, so dass auch in Apps unterschiedliche Kommandos ausgeführt werden können. Ist das U11 im Ruhezustand, kann mit einem Druck auf beide Seiten die Kamera aktiviert werden. In dieser App kann dann mit ebenso einem Druck ein Bild gemacht oder aber zunächst zwischen den beiden Kameras gewechselt werden. Auf dem Homescreen lässt sich durch einen Druck schnell zu Google wechseln, überall dort, wo die virtuelle Tastatur des Telefons aktiv ist, wird die Diktierfunktion aufgerufen. All dies ist frei konfigurierbar und lässt sich so auf ganz persönliche Vorlieben abstimmen. Eine dezidierte App für Edge Sense soll schon bald folgen. Im Juli dann soll eine Beta der gleichen App veröffentlicht werden, die noch einen Schritt weiter geht. Nicht nur eine Funktion, sondern eine Verkettung mehrerer Kommandos soll dann möglich sein. So lassen sich – zumindest theoretisch – praktische Workflows in Apps erstellen.

Auffällig ist, dass man die Seiten des U11 schon ziemlich kräftig drücken muss, um Edge Sense zu aktivieren. Aus guten Gründen: Erstens soll das Features mit Cases genauso funktionieren wie mit Handschuhen, andererseits muss die Schwelle zur Aktivierung so hoch sein, damit man das Telefon nicht aus Versehen in Aktion versetzt. Normale Schutz-Cases sollten problemlos funktionieren, schwierig – unmöglich – wird es bei Akku-Cases oder Outdoor-Schutz à la Otterbox. Edge Sense könnte sich als ausgesprochen nützlich erweisen. Aber HTC muss liefern, schnell die App liefern und das Workflow-Versprechen einlösen. Edge Sense ist ein Alleinstellungsmerkmal, könnte aber auch einfach als unnützes Gimmick schnell wieder vergessen werden.


Das andere Alleinstellungsmerkmal des U11 ist, dass es demnächst auch eine Alexa-Integration bekommen wird. Google oder Amazon? Geht es nach HTC, kann man sich also für den einen oder anderen Dienst genauso entscheiden, wie beide gleichzeitig nutzen: immer auf Zuruf. Um Alexa auf dem U11 zu aktivieren, muss kein Knopf gedrückt und keine App geöffnet werden: Der Echo-Lockruf funktioniert auf dem Telefon genauso wie beim Lautsprecher. Wem das nicht liegt, kann – man ahnt es – auch Edge Sense zur Aktivierung nutzen.

Der Rest ist gelernt: Die Sense-Oberfläche, Android sowieso, BoomSound, QuickCharge, IP67-Zertifizierung. Ob es HTC gelingen wird mit dem U11 Eindruck im Handel zu hinterlassen? Die ersten Wochen im Juni werden es zeigen. Bei mir hat das Smartphone einen sehr positiven ersten Eindruck hinterlassen, auch wenn mir die Rückseite des Telefons eindeutig zu glänzend und fingerabdruckfreundlich ist. Aber das liegt ja im Trend. Case drum und gut.

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