Image credit:

HomePod und Co: Ist das das Ende von Stereo?

Der ganze Raum eine Klangskulptur
0 Shares
Share
Tweet
Share
Save

Ein kleiner Gedanke zur HomePod-Geschichte von Apple (Zusammenfassung): Was bedeuten die Drahtloslautsprecher und Konstellationen aus mehreren Drahtloslautsprechern zu Mehrraum-Systemen eigentlich für Stereo? Lautsprecher wie der HomePod funktionieren nicht mehr nach dem alten Mono-/Stereo-Prinzip, sondern machen etwas ganz Neues. Sie analysieren Klangsignale und den Raum, in den sie hineinstrahlen und bearbeiten das Tonsignal so, dass es Tiefe bekommt - aber eben nicht mehr nach rechts und links sortiert.

Den Bass strahlen sie, da er eh vom menschlichen Ohr schlecht geortet werden kann, in den ganzen Raum. Die zentralen Tonanteile, also vor allem die Stimme, senden sie prominent in die Mitte des Raumes (einen fiktiven Ort) und den Hintergrund - in den Hintergrund (einen ebenso fiktiven Ort). So kann mit einer einzigen Box und viel algorithmischer Klangbearbeitung eine neue Form des räumlichen Schalleindrucks erschaffen werden, der nichts mehr zu tun hat mit der Positionierung einzelner Klänge (Instrumente, Geräusche, Stimmen) im Raum.

Wie mischt man dafür?

Dieser Ansatz der einzelnen Boxen, die mithilfe von Sensortechnik den jeweiligen Raum interessant beschallen, steht im harten Gegensatz zum prinzipiellen Stereoklang, wie er über Kopfhörer konsumiert wird. Ich nehme an: In Zukunft wird noch immer auf Stereo gemischt, aber smarte Lautsprecher nehmen den Stereomix als Informationskanal, um den Klang ganz anders zu organisieren: nicht als Platzierung von Stimmen im Stereobild, sondern im Aufschichten von Frequenzen zu einem angenehmen, gleichmäßigen und interessanten, tief klingenden Klangartefakt.

Wenn das so ist, dann wäre das noch einen drastischeren Schritt weiter weg vom pseudo-authentischen Stereo-Klangparadigma. Das eine Extrem wäre dann die genaue Verortung von Klangquellen im Raum durch die Schallfeldsynthese (jedes Instrument ein virtueller Lautsprecher), das andere die Formung einer nur noch nach ästhetischen Parametern funktionierenden Klangskulptur. In beiden Fällen: Der Raum wird der Klang.

Das war für mich das kleine Aha-Erlebnis dieser mal wieder ziemlich langweiligen Apple-Keynote.

Übrigens lohnt sich einmal das Googlen nach dem Begriff HomePod - er hat eine lange Geschichte, und sie beginnt bei Apple.

From around the web

ear iconeye icontext filevr