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Apple gibt Drahtgittermodelle eurer Gesichter an Apps weiter

Oh. Bitte. Nicht.
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The Washington Post schreibt ganz richtig, dass mit Gesichtsausdrücken animierte Scheißhäufen nur der Anfang waren. Apple gibt der Zeitung zufolge einerseits Drahtgittermodelle der Nutzergesichter an Apps weiter, die über ihre TrueDepth-Kamera erfasst werden. Andererseits "52 einzigartige Mikrobewegungen der Augenlider, des Mundes und anderen Strukturen".

Apps, die diese Daten erfassen möchten, müssen allerdings zunächst ihre Nutzer um Erlaubnis fragen. Außerdem verbietet Apple den Weiterverkauf der Daten und diverse Nutzungsmöglichkeiten, zum Beispiel die Demaskierung anonymer Personen oder für Werbung. Außerdem müssen Apps in ihrer Datenschutzerklärung den Umgang mit den 3D-Daten erklären.

Natürlich lassen sich solche Auflagen umgehen. Aber dass es Apple mit dem Datenschutz nicht so ernst zu sein scheint, darauf deutet schon hin, wie sich eine App die Zustimmung ihres Nutzers abholen muss: über den alten "auf die Kamera zugreifen"-Hinweis - vom fortlaufenden 3D-Mapping ist keine Rede.

Es gibt viele nützliche Nutzungsszenarien, zum Beispiel nennt die Washington Post einen Brillenhersteller als Kunden, der mithilfe von 3D-Modellen des Gesichts passgenauere Gestelle herstellen kann.

Aber wie zuvor schon bei ganz gewöhnlichen Bildern wird sich nun erst nach und nach herausstellen, und zwar viel schneller, als man es begreifen kann, welchen Wert solche Gesichtsdaten haben und zu was man sie mithilfe von Bild- und Mustererkennung verwerten kann. Einen kleinen Plastikaufkleber auf die Frontkamera zu heften, scheint iPhone-X-Nutzern umso angeratener.

Aber: Bei Hacker News weist Kommentator Yeldarb auf ein paar sehr interessante Beobachtungen hin, die er beim Herumspielen mit den APIs der TrueDepth-Kamera machte. Ihm zufolge handelt es sich einerseits nicht um einen 3D-Scan eines Gesichts, sondern um die Anpassung eines 3D-Modells an ein jeweiliges Gesicht - und das könne auch über ein 2D-Bild geschehen. Dafür spreche auch, dass einige angeblichen 3D-Funktionen weiterhin funktionieren, wenn man den 3D-Sensor abdeckt.

Sein düsteres Resümee: "Das was Angst macht, nämlich die Erstellung riesiger dystopischer Datenbanken voller Gesichts-Fingerabdrücke wird längst mit normalen Fotografien gemacht. Die 3D-Daten sind nicht nötig."

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