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WHO nimmt Computerspiel-Abhängigkeit in ICD-11 auf

Offline- und Online-Spielzwang
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Die Weltgesundheitsorganisation hat eine Draft-Version der elften Fassung der Internationalen Klassifikation der Krankheiten veröffentlicht, anhand derer ärztliche Diagnosen kodiert werden. In der neuen Version, die noch 2018 finalisiert werden soll, ist auch eine Diagnose, die wenig gut ankommen wird bei einigen SpielerInnen und Herstellern Computer- und Glücksspielen: Unter Punkt 6D11, direkt unter Glückspielabhängigkeit gibt es nun die Diagnose Spielzwang, Gaming Disorder, unterteilt in einen vorwiegend offline und vorwiegend online Spielzwang.

Beide Störungen werden als "Muster wiederkehrender oder beständiger Spielverhalten ('Digitales Spielen oder Videospielen)" bezeichnet, die drei Kriterien erfüllen:

  • Mangel an Selbstkontrolle darüber, wann und wie häufig gespielt wird,
  • Die Priorisierung des Spielens über Lebensinteressen,
  • die Unfähigkeit das Spielen einzustellen, selbst wenn es schon negative Konsequenzen hatte.

Um diese Diagnose zu stellen, muss dieses Verhalten über 12 Monate vorliegen.

Die Aufnahme in den ICD-11 - wenn sie denn passiert, es handelt sich schließlich um eine Diskussionsgrundlage - bedeutet nicht, dass Computerspielen per se als schadhaft bezeichnet wird. Sondern dass sich mit Computerspielen eine Abhängigkeitsstörung entfalten kann und das bei der Diagnosestellung berücksichtigt werden muss. Das bedeutet aber auch, dass zu diesem Thema nach Aufnahme statistische Zahlen anfallen: Wie suchen Menschen ärztliche Betreuung wegen Spiele-Abhängigkeit?

Langfristig könnte das zu einer genaueren Betrachtung der Computerspielherstellung führen. Gerade die Hersteller von Free-to-Play- und Onlinespielen müssen eventuell Verantwortung dafür übernehmen, dass sie ihre Spiele absichtlich so gestalten, dass sie abhängig machen. Das wiederum, glaube ich, könnte zu einer großen Verbesserung der Qualität der Videospiele führen, die nicht einfach nur etablierten Belohnungs- und Suchtmustern im Spieldesign folgen, sondern ohne billige (und schädliche Tricks) interessante Spiele herstellen müssen.

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