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Verhütungs-App verantwortlich für unerwünschte Schwangerschaften

"Keine Verhütung ist hundertprozentig"
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Eine Verhütungs-App, die von mehr als 500.000 Frauen benutzt wird, soll zu 37 unerwünschten Schwangerschaften geführt haben. Das Södersjukhuset-Krankenhaus in Stockholm hat deshalb die App Natural Cycles der schwedische Zulassungs- und Aufsichtsbehörde für Arzneimittel Läkemedelsverket gemeldet, laut SVT.

Die App misst die Körpertemperatur während der Periode und benachrichtigt die Nutzerinnen, wenn ungeschützter Sex möglich ist, ohne davon Schwanger zu werden. "Grüne" Tagen seien sicher, an "Roten" Tagen, sollten heterosexuelle Pärchen zusätzlich verhüten. Laut eigener Untersuchungen sei Natural Cycles so effektiv wie die Anti-Baby-Pille.

Die 37 unerwünschten Schwangerschaften sind in einer Untersuchung unter 600 Frauen aufgefallen, die zwischen September 2017 und Jahresende für eine Abtreibung ins Södersjukhuset-Krankenhaus kamen. "Wir müssen alle Begleiterscheinungen, auch Schwangerschaften, der Aufsichtsbehörde melden", sagte Hebamme Carina Montin der Nachrichtenagentur Siren. Mit der Meldung steht die Abnahme von Natural Cycles für den US-Markt durch die amerikanische Aufsichtsbehörde FDA in den Sternen.

In einer Stellungnahme teilte Natural Cycles mit, dass "keine Verhütung hundertprozentig ist und unerwünschte Schwangerschaften ein unglückliches Risiko jeder Verhütungsmethode" sind.

37 von 668 unerwünschte Schwangerschaften, rechnen die Entwickler vor, bedeute, dass 5,5 Prozent der schwangeren Natural-Cycles-Nutzerinnen unerwünscht Schwanger wurden. "Das stimmt mit dem überein, was wir zum Risiko unerwünschter Schwangerschaften bei typischer Nutzung mitteilen und was mit anderen Verhütungsmethoden vergleichbar ist."

Im Februar bekam Natural Cycles als erste App ihrer Art in Deutschland den TÜV-Siegel und wurde in Europa als Medizinprodukt zur Verhütung von Schwangerschaften zugelassen.

Aber schon damals kritisierten Experten die Angaben zur Zuverlässigkeit: Die BBC hatte damals unter Experten herumgefragt und eine klare Meinungen zu hören bekommen: Es gibt derzeit hunderte Fruchtbarkeits-Apps und Perioden-Tracker und kein System, sie zu evaluieren. Und es gibt Hinweise, wonach diese Temperaturmethode ineffektiv sei. Solange es keine großangelegten, guten Studien gibt, die deren Wirksamkeit belegen oder Unwirksamkeit widerlegen, sollte man ihnen nicht vertrauen.

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