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Playboy verklagt Boing Boing

Grund? Ein Hyperlink. 2018? Geht beschissen los
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Der Abmahn-Wahn hat sein erstes Highlight 2018 – leider trifft es dabei eine Webseite, die allen Technikkultur-affinen Menschen besonders wichtig sein sollte: Boing Boing. Seit 1995 veröffentlichen hier Redakteure wie der Schriftsteller und Aktivist Cory Doctorow nicht nur Skurriles, sondern vor allem Wichtiges rund um das Internet. Oder einfach nur interessante, weil ungewöhnliche Links. Playboy hat nun Klage eingereicht. Weil das Online-Magazin zu einem YouTube-Video und einer Imgur-Galerie gelinkt hat, wo es alle Playmates ever zu sehen gibt. Klingt lächerlich, ist aber bedeutsam. Denn natürlich hat man bei Boing Boing weder das Video produziert noch die Galerie erstellt. Die Verlinkung von Inhalten wird also ein weiteres Mal hinterfragt.

Dank einer engen Zusammenarbeit mit der EFF, der Electronic Frontier Foundation, hat man Rechtsbeistand. Deren Rechtsanwalt Daniel Nazer kommentiert:

"Boing Boing's reporting and commenting on the Playboy photos is protected by copyright's fair use doctrine. We're asking the court to dismiss this deeply flawed lawsuit. Journalists, scientists, researchers, and everyday people on the web have the right to link to material, even copyrighted material, without having to worry about getting sued."


Die Medienlandschaft wurde von solchen Präzedenzfällen immer wieder durchgeschüttelt. Die einfache Einbindung eines Links kann und darf keine rechtlichen Konsequenzen haben. Die Strategie von Playboy ist so offensichtlich wie perfide. Man sträubt sich vor fundierten Auseinandersetzungen mit großen Plattformen wie YouTube und verklagt lieber kleine Medienunternehmen in Grund und Boden.

Bei Playboy, so scheint es, fühlt man sich in dieser Strategie durch einen Erfolg in Holland 2016 bekräftigt. Damals hatte der örtliche Lizenznehmer in einem ähnlichen Rechtsstreit gewonnen – konkret ging es um eine niederländische Webseite, bei der Links zu Fotos gesetzt wurden, die zu Bildern führten, auf die Playboy das Copyright hatte. Die Argumentation: Das Geld, das man bei der Webseite durch den Link verdient hatte, sei illegal. Die EU hatte zugestimmt.

Die Strategie von Playboy gegenüber Boing Boing scheint schäbig, passt aber ins Bild einer Medienlandschaft, in der auch 2018 immer noch keine Etikette des solidarischen Miteinanders etabliert werden konnte.

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