Image credit:

Netflix schwänzt Cannes

Nicht ganz unfreiwillig
0 Shares
Share
Tweet
Share
Save


Im vergangenen Jahr war der Streaming-Anbieter Netflix präsent bei den Filmfestspielen in Cannes – und zeigte zwei eigene Produktionen. Das kam nicht sonderlich gut an bei der etablierten Filmindustrie. Streaming? Filme, die nicht zuerst im Kino laufen? Nein danke.

2018 gelten auf dem Festival neue Regeln. Auf dem Festival sind nur die Filme zugelassen, die erst nach dem Kino gestreamt werden. Netflix zieht nun die Konsequenzen und zieht sich komplett vom Festival zurück. Was ist bloß los in dieser Branche?

"Wir wollen, dass unsere Produktionen fair und genauso behandelt werden, wie die Werke aller anderen Filmemacher auch", sagt Ted Sarandos von Netflix. "Es ist keine gute Idee, dort am Start zu sein."

2017 zeigte Netflix die Filme "Okja" und "The Meyerowitz Stories" in Cannes. Die Kritik an der Präsenz des Streaming-Dienstes kam vor allem von französischen Kino-Betreibern und Gewerkschaften. Filme, die nicht zunächst in Kinos gezeigt werden, hätten auf dem Festival nichts zu suchen. Die Leitung reagierte prompt und verhängte ein Verbot für solche Produktionen, die nicht zunächst in französischen Kinos gezeigt werden. Mit dieser Haltung ist die Festival-Leitung um Theirry Fremaux nicht alleine. Auch Produzenten wie Steven Spielberg engagieren sich dafür, dass "Fernseh-Produktionen" bei Film-Festivals nicht zugelassen werden sollten.

Eine Lösung ist das nicht. Streaming-Anbieter wie Netflix und Amazon, aber auch Fernseh-Sender haben mit ihren Serien die Branche aufgemischt und der klassischen Hollywood-Filmproduktion Paroli geboten. Natürlich gefällt das den Studios nicht, gleichzeitig signalisiert der Erfolg dieser Formate aber auch den grundlegenden Wandel einer Branche, die viel zu lang schalten und walten konnte, wie sie wollte. Dass nun ein präferierter Ausspielweg darüber entscheiden soll, welche Formate und Filme im Festival-Zirkus stattfinden können und dürfen, beweist letztendlich nur die Sinnkrise der Film-Branche. Die ist konservativ. Noch konservativer als die Musik- und Verlagsbranche.

From around the web

ear iconeye icontext filevr